Megan Francis Sullivan, The Architects, bis 31. Oktober

GROTTO
Heinz Peter Knes
Rosa Winkel, zweiteilig, 2026
28.06.26—29.08.26
Vernissage: 27.06.2026, 18:00—21:00
Foto: Nick Ash
Foto: Nick Ash
Foto: Nick Ash
Foto: Nick Ash
Foto: Nick Ash

Der beiläufige Blick aus dem Augenwinkel oder das zerstreute Schweifen über das Gesichtsfeld erfasst etwas anderes als ein direkter Blick. Anstatt von dem, was gesehen wird, unmittelbare Bedeutung einzufordern, lässt ein seitlicher Blick die Unschärfe der Fehlinterpretation zu. In der Verschiebung liegt eine Möglichkeit, die andere, schräge Bedeutungen eröffnen kann.

Bedeutung hängt immer vom Kontext ab, der sich selbst durch Gewohnheit und Erfahrung anreichert, manchmal langsam über die Zeit hinweg, und das Verständnis auf unterschiedlichste Weise färbt. Im Tiergarten kann ein Blick von einer fremden Person in einem Teil des Parks etwas völlig anderes bedeuten als in einem anderen Bereich. Bestimmte Wege und abgelegene Gebüschzonen sind seit hundert Jahren etablierte Cruising-Orte. Deren Erkennen hängt vom Verständnis von Blickkontakt und bestimmten Gesten ab. Für diejenigen, deren Blick auf Baumkronen und Vogelwelt geschult ist, bleibt diese Bedeutung wahrscheinlich verborgen.

Ein Bild kann auf dieselbe Weise funktionieren. Es kann als unbedeutend übergangen werden oder unerwartet den Blick auf sich ziehen und etwas von einem wollen. Für Heinz Peter Knes ist ein „rufendes Bild“ eines, das „wie eine Möglichkeit erscheint – ein ungewisses und offenes Ding“. Eine Fotografie, die monatelang, wenn nicht jahrelang, vergessen im Archiv des Künstlers lag, scheint plötzlich etwas auszudrücken, das zuvor unbemerkt geblieben war. In der Zwischenzeit hat sie sich von dem Gegenstand gelöst, den sie vordergründig zeigt. Nun von jenem konkreten Ereignis, Ort und Zeitpunkt abgelöst, schwebt sie frei, um andere Assoziationen für sich zu beanspruchen.

Das Bild oder Bildpaar, das diesmal gerufen hat, zeigt etwas Rosafarbenes vor schwarzem Hintergrund. Die Farben treffen in einer diagonalen Naht aufeinander, die die Bildebene durchquert. Die Fotografien bieten eine Nahansicht, doch es ist nicht klar, wovon. Die glatte Oberfläche liefert keine Hinweise. In Abwesenheit weiterer kontextueller Anhaltspunkte bewegt sich dieses Bildpaar in ein Feld der Abstraktion, ebenso wie der leere Raum zwischen ihnen.

„In der Fotografie wird häufiger von Detail als von Fragment gesprochen“, schreibt der Künstler. „Aber kann eine Fotografie selbst ein Fragment sein, etwa wenn ein Farbfoto gelblich wird und verblasst?“ Eine Bedeutung, die zu einem bestimmten Zeitpunkt vorgeschrieben war und zur spezifischen Ideologie jener Epoche gehörte, verblasst zur Obsoleszenz, bleibt jedoch als fragmentarischer Hinweis auf eine unterdrückerische Vergangenheit bestehen. Eine Form und Farbe, die einst verwendet wurde, um eine kriminalisierte und verfolgte sexuelle Identität zu kennzeichnen, wurde mit neuer Bedeutung aufgeladen. In den 1970er Jahren übernahm die Schwulenbewegung das Symbol, das von den Nationalsozialisten verwendet worden war, um homosexuelle Männer zu kategorisieren, die in Konzentrationslagern inhaftiert waren. Verfolgung wurde gegen Selbstidentifikation eingetauscht. Scham gegen Stolz. Das Bild selbst bleibt dasselbe. Rosa Winkel. Zweiteilig.

Text von Kirsty Bell

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